Haben wir ein zweites Gehirn im Darm?

Der Darm ist nicht das beliebteste Körperteil oder Gesprächsthema Nummer eins am Esstisch. Zumindest ist allgemein bekannt, dass er maßgeblich an der Verdauung unserer Nahrung beteiligt ist, doch danach hört das Verständnis meist auf.

Tatsächlich sind die schnelle Verdauung im Dünndarm und das gemütliche Herumwälzen von Lebensmitteln im Dickdarm, um noch die letzten Nährstoffe herauszuholen, nur ein kleiner Teil seines Aufgabenbereichs.

Unsere Mitbewohner – die Darmflora

Der Darm ist die Heimat von 10 bis 100 Billionen verschiedener Mikroorganismen, d.h. Bakterien und andere Kleinstlebewesen, die wir in ihrer Gesamtheit als Darmflora bezeichnen. Diese arbeitet eng mit dem Immunsystem zusammen und hilft dabei, schädliche Krankheitserreger zu bekämpfen.

Von diesen Mitbewohnern besitzen wir eine größere Menge als Körperzellen und ohne sie könnten wir viele Vitamine und Mineralstoffe gar nicht aufnehmen oder im Körper selbst herstellen.

Das zweite Gehirn im Darm

Doch damit ist es noch nicht genug, denn im Darm befinden sich außerhalb etwa 200 Millionen Nervenzellen, die man in der Wissenschaft als enterisches Nervensystem kennt. Von der Anzahl her entspricht das etwa einem Kleintier-Gehirn.

Darm-Zellen sind unserem Gehirn in Funktion und Aufbau ähnlich (jetzt nicht falsche Schlüsse ziehen …)

Die Zellen sind unserem Gehirn in Funktion und Aufbau sogar so ähnlich, dass manche Wissenschaftler von einem zweiten Gehirn im Darm reden.

Auswirkung auf unseren Gemütszustand

Unser Gehirn und das enterische Nervensystem stehen unter ständiger Kommunikation und so sorgen Stress und psychische Probleme nicht nur sprichwörtlich für Bauchschmerzen. Fehlender Hunger, Magenkrämpfe und Verdauungsschwierigkeiten sind nur ein paar der auftretenden Probleme, wenn es uns nicht gut geht.

Erst in den letzten Jahren haben Forscher herausgefunden, dass die Kommunikation auch in beide Richtungen abläuft. So können unser Darm und seine Bewohner auf einmal Einfluss auf unseren Gemütszustand, Emotionen und sogar unser Verhalten ausüben.

Wenn wir uns nicht um unsere Darmgesundheit kümmern, ist eine Magen-Darm-Erkrankung auf einmal kein lokales, körperliches Problem mehr, sondern könnte sogar Angstzustände und Depressionen auslösen.

Was tun?

Unser Darm, die Darmflora und das enterische Nervensystem sind ein komplexes Ökosystem, das unser körperliches und geistiges Wohl beeinflusst auch mal aus dem Gleichgewicht geraten kann. Mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung und psychischem Ausgleich können wir viel für unsere Mitbewohner aber auch für uns selbst tun.

Gastartikel von Justine B. vom Gesundheitsmagazin Vital Fit & Gesund.

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